Der Reitverein St. Georg Euskirchen richtete in Oberwichterich ein exzellentes Turnier aus. Selbst an den olympischen Schwierigkeitsgrad reichten die Prüfungen heran. Spitzengastronom Tobias Gail kochte für die Besucher.
Von Claudia HoffmannEuskirchen-Oberwichterich. Als Rolf Radzuweit am späten Sonntagnachmittag die Sieger der renommierten Dressurprüfung Prix St. Georges zur Preisverleihung in das 20 mal 60 Meter große Viereck bat, war ein viel beachtetes Dressur-Event in Oberwichterich erfolgreich zu Ende gegangen. Wenig später setzten sich die Gewinner unter donnerndem Applaus zur Ehrenrunde an.
Erstmals nach den Deutschen Hengstchampionaten in den Jahren 1997/98 hatte der Reitverein St. Georg Euskirchen wieder ein überregionales Turnier der Klasse S veranstaltet. Vorsitzender Radzuweit setzte in seinem neuen Konzept auf die Kombination aus hochkarätigem Teilnehmerfeld und anspruchsvoller Verpflegung. So schickte beispielsweise der mit zwei Michelin-Sternen und Bestbewertungen im Gault Millau dekorierte Gastronom Hans-Stefan Steinheuer aus Bad Neuenahr seine lukullischen Grüße in Gestalt von Spitzenkoch Tobias Gail nach Oberwichterich. Gail verwöhnte die Gaumen der Zuschauer mit raffiniertem Fingerfood, Wachtelbrust an Parmaschinken und Crêpe Suzette. Eine Verkostung mit erlesenen Südtiroler Weinen ergänzte die adäquate Erlebnisbegleitung.
Allen Wetterkapriolen zum Trotz trafen die Teilnehmer in Oberwichterich auf durchweg exzellente Wettkampfbedingungen. 1500 Tonnen Lava sorgten für den perfekten Untergrund in der Dressur-Arena. „Andere Abreitplätze hätten hier sicher schon längst komplett unter Wasser gestanden“, lobten zahlreiche Reitsportexperten am Rande des Parcours.
Mit Blick auf die wertvollen Pferde, ist Qualität auch in dieser Hinsicht für Radzuweit, selbst namhafter Züchter und langjähriger Präsident des „Trakehner Verbandes“, ein unbedingtes Muss. 15 erfahrene Helfer standen ihm bei der aufwendigen Turnierlogistik zur Seite.
An allen drei Tagen sahen die Zuschauer in Oberwichterich hervorragenden Sport. Wie alle anderen pferdesportlichen Disziplinen, wird auch die Dressur in verschiedene Klassen eingeteilt. Das Ziel ist die größtmögliche Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Lokalmatadorin Sabine Halfter vom RSZ Euskirchen-Dom-Esch gewann auf Siroccio die Dressurpferdeprüfung der Klasse A.
Stand der Freitag ganz im Zeichen der Prüfungen für junge Nachwuchspferde, ging es am Samstag mit raumgreifenden Schritten in Richtung Bundesliga-Format. Mit großer Spannung verfolgten die Zuschauer die Pflicht- und Kürlektionen der Reiter. Smartphone-Besitzer waren unentwegt mit dem Online-Portal von „Orgasport“ verbunden, das via Live-Scoring die Wertungsergebnisse und Platzierungen aktuell bekanntgab.
Die Anforderungen der Reitkunst stiegen von Klasse zu Klasse. Bereits bei den M-Prüfungen, also der mittleren Stufe, wurden Volten, halbe Schrittpirouetten, Zickzack-Traversalen im Trab und einzelne fliegende Galoppwechsel verlangt. Elke Höllen vom FRV Oberbachem überzeugte auf Flavio mit einem tadellosen Ritt und siegte mit 664 Punkten. Kreismeisterin Ann-Kristin Vetter aus Merzenich belegte auf Robichon den dritten Platz (650 Punkte).
28 Teilnehmer starteten am Samstag in der schwierigsten aller Dressurdisziplinen: der Klasse S, deren Aufgaben, darunter Piaffe und Passage, auch international geritten werden. Hier blieb es bis zur letzten Minute spannend. Als letzte Starterin rollte Top-Reiterin Vanessa Grimm (RFV Rodderhof) das Feld von hinten auf und bestach auf Divino mit Eleganz und Bravour. In einem vortrefflichen Teilnehmerfeld erwies sich auch Mannschafts-Europameisterin Annabel Frenzen (RV Lenzenhof Krefeld) mit Royal Rubin auf Rang zwei wieder als versierte Schleifensammlerin.
Die „Intermediaire I“-Prüfung reichte schließlich sogar an den olympischen Schwierigkeitsgrad heran. Mit ihrem Doppelsieg auf Divino und Chiasso Fare hatte Grimm auch am Sonntag einen fabelhaften Tag erwischt und erfüllt mit zehn Siegen in der Zwei Sterne-S-Klasse nun alle Voraussetzungen für den Erhalt des goldenen Reitabzeichens.
In seinen abschließenden Dankesworten hob Radzuweit die Leistungen der Wertungsrichter noch einmal besonders hervor: Auf einer Skala von 0 (nicht gezeigt) bis 10 (ausgezeichnet) hatten sie im Schnitt rund 40 Noten pro Ritt vergeben.

